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Transgenderworkshop
Keine Hemmungen mehr vor Puderquast und Kajal

Eine der schwierigsten Künste ist wohl diejenige, den Mitmenschen einen angenehmen Eindruck der eigenen Persönlichkeit zu vermitteln. Unbestritten gehört dazu auch, sich nicht nur adrett zu kleiden, sondern durch ein gelungenes Make-up das Gesicht zum Spiegelbild der Seele werden zu lassen. Sehr oft bedeutet genau das jedoch eine schwierige Gratwanderung zwischen Vollendung und Fiasko - eine Aufgabe, die vor allem uns Frauen ein Leben lang zum ständigen Lernen, Ausprobieren neuester Techniken und Produkte und Verwerfen nicht so gelungener Versuche anhält. Wer soll da noch durchblicken? Um diese Fragen zu beantworten, nahmen Franzi und Jessica anlässlich des Themenabends bei transID am letzten Freitag im August 2004 die Herausforderung an, den Anwesenden unter dem Motto "Do it yourself" Hilfe zur Selbsthilfe beim Schminken zu geben.

Eine erste Ahnung von den Schwierigkeiten des Schminkens stellte sich bei uns ein, als die Beiden ihre Utensilien unter tätiger Mithilfe von Julia in die Mimenbühne des Stadtteilhauses schleppten. Ein großer Holzkasten, mehrere Reisetaschen - und was sollte noch alles kommen? Aber wir saßen nicht sehr lange wie gelähmt herum, sondern entfalteten schnell Betriebsamkeit, um die bescheidenen Beleuchtungsverhältnisse grundlegend zu verbessern. Leider scheiterten die Bemühungen an der Unkenntnis der grundlegenden Installation in der Mimenbühne. Kein Problem allerdings für unsere Jessi, die den etwas unförmig erscheinenden Holzkasten zu einem professionellen Verschönerungsarbeitsplatz entfaltete. Mit dem Rest der zugänglichen Beleuchtung konnte dann auch ein zweiter Schminkplatz eingerichtet werden. Es dauerte nicht lange, dann wurden die ersten Freiwilligen gefunden.

Schnell stellte sich für Jessi und Franzi heraus, dass das ziemlich schwierige Fälle waren. Bei der einen sprudelte fast wasserfallartig zu jedem mitgebrachten Schminkutensil eine minutiöse und ausführliche Erzählung über die Art und Weise der Beschaffung über die Lippen. Aufmerksam und lieb, wie unsere beiden Meisterinnen nun einmal sind, widmeten sie dem Mitteilungsbedürfnis auch gebührend Aufmerksamkeit. Die markanten und typbedingten Eigenheiten der Probandin forderten aber auch höchstes fachliches Können. Da bekanntermaßen gut Ding Weile haben will, nahm die Prozedur so viel Zeit in Anspruch, dass die Gute ihren Zug verpasste! Wer im Glashaus sitzt, sollte aber nicht mit Steinen werfen. Der andere schwierige Fall war ich selbst, so wie ich schon befürchtet hatte. Mein Bartschatten wollte und wollte einfach nicht weichen, dabei hatte ich mich doch schon fast einen Millimeter unter die Haut rasiert. Nur den gemeinsamen Anstrengungen von Jessi und Franzi gelang es nach Anwendung der sonst sorgsam gehüteten geheimsten Kniffe eine halbwegs annehmbare Grundlage für das entstehende Werk zu schaffen. Erschwerend kam noch dazu, dass ich ohne meine Sehhilfe ein ziemlich blindes Huhn bin. Doch Franzi war eine ganz Liebe, sie stellte mir neben ihrem Rat auch immer gern eine Hand zum Spiegelhalten zur Verfügung. Dadurch gelangten nach der Camouflage auch Make-up, Lidschatten, Wimperntusche, Puder, Rouge und Lipgloss und alles was noch dazu gehört, endlich an die vorgesehenen Stellen. Jessi und Franzi nahmen die kleinen und größeren Widrigkeiten mit sehr viel Humor und vermittelten mir indes eine ganze Menge wichtiger Grundlagen und Tricks. Nur meine Haare wollten nicht so recht den Vorstellungen von Franzi folgen ... aber Hauptthema war ja das Schminken!

Natürlich wird ein solches Werk nicht für die Ewigkeit bestehen, doch damit ich fürderhin so etwas wiederholen kann, bekam ich von Franzi noch eine handgezeichnete Schminkanleitung, wie übrigens alle Mädels und Frauen, die sich den Meisterinnen anvertrauten. Franzi und Jessi hatten bis gegen Mitternacht zu tun, bis schließlich noch zwei weitere Frauen ihren Wissensdurst stillten und das praktische Training abschlossen. Denjenigen, die gerade nicht unter der meisterlichen Anleitung Hand an ihr Gesicht legten, musste die Zeit trotzdem nicht lang werden. Jessi und Franzi hatten aus ihrem Fundus einige sehr interessante Bücher und Materialien zum Schminken mit gebracht. Diese fanden regen Zuspruch. Selbst der an diesem Abend einzig anwesende Mann ließ sich von diesen Werken in den Bann ziehen!

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichtete Julia auf ihren "Do it yourself" - Kurs. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, denn alle waren erfreut zu hören, dass Jessica und Franzi gern bereit sind, wieder einmal einen solchen Themenabend zu gestalten. Dann wird Julia sicherlich das Vorrecht genießen, als erste am Schminktisch zu sitzen. Gemeinsam fassten alle zu, um zusammen zu packen und aufzuräumen und ich denke, niemand von uns hat sich an diesem Abend gelangweilt.

Daher möchte ich mich im Namen aller Anwesenden nochmals bei Franzi und Jessica für die Mühe, die sie sich mit uns machten, für die Geduld und die Bereitwilligkeit, ihren Erfahrungsschatz mit uns zu teilen und last not least für die kostenlos (!)zur Verfügung gestellten Schminkutensilien und -materialien ganz herzlich zu danken und beiden ein dickes virtuelles Küsschen auf die Wangen zu drücken.

Eure tashina


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